Geschichte des Vereins
 
Bis vor kurzem gab es ihn, den Lindenbaum am Blindenheim in der Jesuitengasse 14
Das ist alles, was von dieser Einrichtung,  im Volksmund Blindenanstalt genannt, bis heute blieb.
Diese Einrichtung ist für viele Blinde aus Schwaben zur Bildungsstätte, zum Sprungbrett ins Leben und zu einem Stützpunkt
im Alltagskampf geworden.
 
Für viele wurde Sie auch zur zweiten Heimat.
Anfang der 70-iger Jahre musste die Schule nach München in die Bayer. Landesschule für Blinde verlegt werden und das Heim,
das damals nur noch wenige Bewohner beherbergte, wurde aufgelöst. Das Haus, das bereits 500 Jahre auf dem Buckel hatte, wurde
bis auf das stehende Gebäudefragment von Elias Holl erbaut, abgebrochen. Dieses Ende war der Grundstein, der Anfang für das
jetzige Betreute Wohnen für Blinde in Augsburg, der Grundstein für unser Otto- Riß-Haus in Augsburg, Gänsbühl 11.

Der Wunsch, Bewährtes zu erhalten und Neues zu gestalten, trieb einige ehemalige Schüler der Blindenschule in Augsburg dazu,
in Augsburg unter der Leitung von Herrn Otto Riß einen eigenen Verein zu gründen, der im Besonderen für die blinden und sehbehinderten
Menschen in Schwaben, die wegen Alter oder anderen Gründen nicht in der Lage sind alleine in einer Wohnung leben zu können, ein neues
Zuhause und nach Möglichkeit Arbeit oder wenigstens eine Betätigung zu schaffen. Viele von Ihnen wissen bereits, dass Herr Riß kurz vor
seinem Tod (er starb mit 52 Jahren an Leberkrebs) diesen Verein, den „Verein Blindenheim Augsburg e.V. ins Leben rief. Ein Blindenheim sollte wieder entstehen, wie in der Jesuitengasse. In der Zwischenzeit wurden aber neue Formen der Betreuung erprobt. So wurde uns empfohlen,
ein Betreutes Wohnen für Blinde und Sehbehinderte zu errichten. Der Gedanke, dass hier die Betroffenen in einer eigenen kleinen Wohnung
im normalen Mietrecht leben würden, gefiel uns. Die finanzielle Organisation für den laufenden Betrieb einer solchen Einrichtung war sehr schwierig.
Die Bezirke sind nur für Heime, nicht für Betreute Wohnen als Kostenträger zuständig. Nur der wohlwollenden Einstellung der Stadt Augsburg
gegenüber unserem Personenkreis ist es zu verdanken, dass auch Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbst nicht bestreiten können,
Mieter unseres Hauses werden können. Weil es vor uns eine derartige Wohnform für  Blinde in Bayern, vielleicht sogar in ganz Deutschland,
nicht gab, wurden wir vom Bayer. Sozialministerium als Pilotprojekt eingestuft. Von unserer Seite war für die Gestaltung des betrieblichen
und finanziellen Ablaufes der neuen Einrichtung viel Fantasie und Mut gefordert.
 
Seit 10 Jahren arbeiten wir nun daran unserer Vereinssatzung, die in allem, außer dem Schulischen Bereich, an die Satzung der
frühren Blindenschule mit Heim angeglichen ist,  gerecht zu werden. Der wichtigste Punkt dieser Satzung lautet: Das Haus soll in
christlichem Geiste geführt werden. Wir sind auch heute noch der Anschauung, dass behinderte und kranke Menschen in einer
christlichen Umgebung ein Höchstmaß an Geborgenheit erwarten dürfen. Beim Bau unseres Otto-Riß-Hauses und bei der Bewältigung
der anfänglichen Schwierigkeiten war es für uns von besonderer Hilfe, dass Herr Pater Setzer, der Sohn des ehemaligen Leiters der
Blindenschule in der Jesuitengasse Herr Anton Setzer, der jetzt zusammen mit seiner Schwester Elisabeth Setzer das
Blinden- und Sehbehindertenzentrum in Unterschleißheim leitet, Mitglied in unserem Verein wurde und uns mit Rat und Tat zur Seite stand.
In Herrn Erich Klaue, der in Augsburg eine Steuerkanzlei führt, fanden wir ebenfalls einen treuen Helfer im Verein. Die Arbeit unseres Vereines
(6 blinde und 6 sehende Mitglieder) hat sich in jeder Hinsicht bestens bewährt und verdient Dank.
 
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